
WELVER ▪ 16:9 ist ein bekanntes Bildformat bei Fernseh-Geräten. Aber auch die geplante Umstrukturierung der Freiwilligen lässt sich durch diese Zahlenkombination auf den Punkt bringen. 16 und 9 bezeichnen hier die Anzahl der Feuerwehr-Standorte – einmal zum heutigen Zeitpunkt und einmal nach der geplanten Standort-Verbundlösung.
Fünf der sechzehn derzeitigen Standorte sollen dabei auch in der neuen Lösung so beibehalten werden wie bisher: In Borgeln, Stocklarn, Scheidingen, Vellinghausen und im Zentralort besteht aus Verwaltungssicht „kein akuter Handlungsbedarf“ für bauliche Unternehmungen. An vier weiteren Standorten sollen hingegen strategisch platzierte Neubauten hinzukommen, durch die die Gemeindefläche abgedeckt wird (siehe Bild oben): In Dinker und Schwefe sowie zwischen Einecke und Klotingen und zwischen Recklingsen und Berwicke sind neue Gerätehäuser geplant.
Knapp über zwei Millionen würde dies an baulichen Kosten aufwerfen, hinzu kämen geschätzte 250 000 Euro für den Grunderwerb und weitere Investitionen für Fahrzeuge und sonstige Ausrüstung – keine Peanuts für eine Gemeinde im Nothaushalt. Laut Verwaltung allerdings eine weitaus günstigere Lösung, als wenn man die bisherige Struktur beibehalten würde und die vorhandenen Standorte DIN-gerecht ausbauen müsste: Weil hier an neun der sechzehn Standorte Neubauten anstünden, lägen die reinen Baukosten bereits bei 3,8 Millionen.
Sinnvoll wäre die Verschlankung auch wegen der demographischen Entwicklung, wie Gemeindebrandinspektor Rüdiger Pannock erläuterte: „Im Jahr 2030 wird es in unserer Gemeinde voraussichtlich vierzig Prozent weniger Jugendliche geben als jetzt. Da werden wir den aktuellen Stand der Kameraden nicht halten können.“ Durch die Konzentration auf weniger Standorte könne man diese Entwicklung abmildern. Weniger und dafür aber besser ausgerüstete Stützpunkte seien zudem attraktiver für den Nachwuchs. Ihre Eigenständigkeit verlieren sollen die Löschgruppen dabei aber nicht: „Wir wollen uns nur von Standorten trennen, nicht von Löschgruppen. Es soll weiter einzelne Löschgruppen geben, diese wachsen nur zu DIN-gerechten Gruppen zusammen“, so Bürgermeister Ingo Teimann.
„Wir erhoffen uns ein erstes ‘Go’ von ihnen für diese Lösung“, wandte sich Teimann an die Ausschussmitglieder und betonte mehrfach, dass bei dieser ersten Gesamtübersicht noch nicht über einzelne Standorte gesprochen werden solle: „Wir wollen sie erst einmal von dieser ‘Neuner-Lösung’ insgesamt überzeugen.“ Das gewünschte grüne Licht bekam er streng genommen zwar nicht, da der Ausschuss nicht in beschlussfähiger Konstellation tagte, grundsätzlich fand das Konzept aber bei allen Fraktionen Zustimmung. So äußerten sich neben der CDU auch Grüne und FDP positiv, auch die SPD sah „eine Position, die wir teilen können“, so Klaus-Theo Rohe.
Gleichwohl brachten vor allem die Sozialdemokraten aber auch Kritik an den dargelegten Informationen vor – oder besser: an den fehlenden. Um zustimmen zu können, müsse eine detailliertere Kostenaufstellung vorliegen, die die kompletten Zahlen inklusive Fahrzeugbeschaffung und weiterer Aufrüstung aufliste, so Rohe. Dies verneinte Teimann jedoch: „Eine endgültige Kostenaufstellung zu jedem Standort können wir nicht machen. Das ist Detailarbeit.“ Auch zur von Klotingens SPD-Ortsvorsteher Wilfried Starb vorgebrachten Frage nach der „Zeitschiene“ für das Vorhaben wollte Teimann keine Prognose abgeben: „Das ist abhängig von den zur Verfügung stehenden Mitteln.“ Sicher sei, dass der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Dinker an erster Stelle stehe, danach Schwefe folge.
Quelle Text und Foto: Soester Anzeiger vom 16.11.2011


