Gründung des freiwilligen Feuerwehrvereins Meyerich
Unter der Leitung von Ehrenamtmann Wilhelm Smiths erfolgte 1899 die Gründung des freiwilligen Feuerwehrvereins Meyerich, zu dessen Vorsitzenden Smiths gewählt wurde. Feuerwehrhauptmann wurde Vorsteher Bertels, Stellvertreter Gutsbesitzer Pier, Spritzenführer Heinrich Bertels jr. Und Gerätewart Gastwirt C. Brackelmann gewählt.
Leider fehlt die vorbildliche Satzung des Vereins, nach deren Muster sich die Feuerwehren Wambeln und Rhynern konstruierten. Ein Jahr später fand am 7.Oktober 1900 die erste sehr gut besuchte Jahreshauptversammlung im Gasthof Brackelmann statt. Es wurde beschlossen an den letzten Sonntagen der Monate Oktober, Januar, April und Juli eine Hauptübung abzuhalten, an denen kein Mitglied ohne triftige Entschuldigung bei Strafe von 50 Pfennigen fehlen dürfe. Drei Vorstandsmitglieder sollten zu Instruktionskurse nach Unna abgeordert werden. Kritik gab es an den Uniformblusen, diese seien wohl ein praktisches Arbeitskleid, keinesfalls ein respektables Festgewand. Es sollten kleidsamere Röcke aus besserem Stoff angeschafft werden.
Erster Brandeinsatz der Feuerwehr Meyerich
Am 10. Mai 1901 zwischen 12 und 13 Uhr wurde plötzlich von den Meldestellen der freiwilligen Feuerwehr Alarm geblasen. In einem Moment war die Wehr stark beim Spritzenhaus angetreten. Mit der neuen Spritze fuhren die Kameraden zur Brandstelle in die Nachbargemeinde Wambeln. Es brannte das Wohnhaus der Witwe Hennenkemper, das vom Pächter Wipker bewohnt wurde. Hier zeichnete sich die hiesige Feuerwehr die 1899 gegründet wurde und die zum ersten Male Feuersignale bekommen hatte, durch ihr kühnes Vorgehen besonders aus. Es galt das Viehhaus, das direkt angebaut war, die Scheune, das Bachhaus und die Remise, die der Feuerstelle sehr nahe standen, vor Feuersbrunst zu schützen.
Dieses ist gelungen, der Feuerwehr zu verdanken. Das Wohnhaus das bereits in hellen Flammen stand, war nicht mehr zu retten und brannte nieder. Das Vieh und Mobilar wurde gerettet. Auch daran hat sich die Feuerwehr lebhaft beteiligt. Speziell ein Feuerwehrmann vom Welver Bahnhof hat sich beim Herausholen der Immobilien besonders kühn gezeigt. Die Brandursache konnte noch nicht ermittelt werden. Der Schaden ist durch eine Versicherung gedeckt. So die Berichterstattung in der Zeitung.
Landwirt Pier zum Hauptmann gewählt
Schon im zweiten Jahr nach der Gründung legte am 12. Mai 1901 in der Generalversammlung beim Gastwirt Brackelmann der Hauptmann Bertels sein Amt nieder. Auf Vorschlag des Vorsitzenden Smiths wurde der stellvertretende Hauptmann Pier fast einstimmig zum Hauptmann und Gastwirt Georg Schüfer zum Stellvertreter gewählt. Zu den vierteljährlichen Übungen der Feuerwehr, zählte auch eine Verbandsübung mit den im Amt Schwefe gegründeten Feuerwehren Ostönnen, Schwefe, Ampen später Klotingen unter Aufsicht des Ehrenamtmann Smiths, dem die Inspektion der Feuerwehren unterstand. Zu den vorgeführten Übungen gehörte zunächst ein zünftiger Marsch mit Parade, es folgten Schulübungen mit und ohne Geräte, Sturmangriffe auf den Steigerturm und Spritzenübungen. Der Ehrenamtmann war zufrieden, er mahnte sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, noch vollkommener zu werden und wünschte „Gut Schlauch“:
Am 24. Februar 1902 beschloss die Generalversammlung im Laufe des Sommers ein Feuerwehrverbandsfest auf der Weide am Welver Bahnhof zu feiern. Dazu übernahm Kapellmeister Mey-Soest die Musik und Gastwirt C. Brackelmann die Schenke. Eifrig waren die Vorbereitungen für das am 6. Juli 1902 stattfindende Verbandsfest der freiwilligen Feuerwehren des Amtes Schwefe. Zwei große Zelte wurden auf dem Festplatz aufgeschlagen. Bei der Beliebtheit der Feuerwehren erhoffte man einen großen Festbesuch.
Erstes Verbandsfest der freiwilligen Feuerwehren des Amtes Schwefe in Meyerich
Festbericht: Das Verbandsfest verlief vom besten Wetter begünstigt bei zahlreicher Beteiligung der Wehren und bei regem Besuche von Nah und Fern aufs Schönste. Um 2 Uhr begrüßte der Herr Ehrenamtmann Smiths die erschienenen Wehren und hieß dieselben Namens der Meyericher Wehr und der ganzen Gemeinde Meyerich willkommen. Mit einem dreimaligen Hoch auf Se.Majestät den Kaiser schloß die Ansprache. Die nun folgenden Übungen der Meyericher Wehr auf dem Hofe des Herrn Hauptmann Pier zeigten, dass diese in den verflossenen Jahren bedeutende Fortschritte gemacht hatte.
Die meisten Leistungen ließen nichts zu wünschen übrig. Namentlich kann nicht genug die echt militärische straffe Haltung der nur zum geringen Teil aus militärisch geschulten Leuten bestehenden Wehr hervorgehoben werden. Die Haltung, Ordnung und Ruhe der übrigen Vereine war bei der Vorstellung und dem darauf folgenden Parademarsch und bei dem Festzuge gerade mustergültig. Wie beliebt die Feuerwehrleute sind, zeigte die reiche Ausschmückung der Straßen und Ehrenbogen, Kränze, Laubgebinde, Flaggen und Inschriften. Einer suchte den anderen zu überbieten in der Ausschmückung der Häuser.
Nachdem der lange Zug der Feuerwehren die Feststraße passierte, rückte er in die Zelte des Festplatzes, wo bei Konzert und Tanz die Stunden in inniger Einigkeit und harmlosem Frohsinn schwanden. Dem Wunsche des Ehrenamtmannes entsprechend, sollte das Fest dazu beitragen, die Zahl der freiwilligen Feuerwehren auf dem Lande wachsen zu lassen, so dass es recht bald heißen möge:
„In jedem Dorf groß oder klein ein strammer Feuerwehrverein.“
Wunsch des Amtmanns nicht erfüllt
Der Wunsch des Amtmann Smiths in jedem Dorf eine freiwillige Feuerwehr zu gründen scheiterte zunächst an den finanziellen Verhältnissen in den Gemeinden. Die Brandwehr erfüllte nicht immer sachgerecht die Brandbekämpfung. Deshalb forderte 1902 Amtmann Smiths eine gesetzliche Regelung zur Erweiterung und Verbesserung der Löscheinrichtung die zunächst ein Wunsch blieb. 1904 mahnte Smiths in einem Bericht zum Feuerlöschwesen des Amtes Schwefe die gesetzliche Regelung erneut an, man solle den freiwilligen Feuerwehren mehr Beachtung schenken. In vielen Gemeinden herrschten noch die alten, wenig mustergültigen Verhältnisse.

Verfechter für das Feuerlöschwesen und Gründer der Freiw. Feuerwehr Meyerich war der Ehrenamtmann Wilhelm Smiths auf Haus Meyerich.
Freiwillige Feuerwehren gebe es in Ampen mit 38 Mitglieder, Klotingen mit 40 Mitglieder, Ostönnen mit 60 Mitglieder, Schwefe mit 45 Mitglieder und Meyerich habe 37 Mitglieder. Jede Wehr habe eine selbstansaugende Feuerspritze neuester Konstruktion. Die Steigeleitern seien keine Rettungsleitern, somit nicht nötig. Verträge mit Anspannstellern beständen für die Spritze, Mannschafts-/ und Gerätewagen. Die jährliche Besichtigung der Wehr würden durch Obleute durchgeführt, führte der Amtmann aus.

Smiths wurde für seine Verdienste auf Befehl des Kaisers am 25.Juli 1909 mit dem Erinnerungszeichen geehrt.
Die Warnung des Amtmann wurde Realität, als am 8.Januar 1904 nachts das Wohnhaus des Landwirts Crüsemann in Klotingen total nieder brannte. Die Feuerwehr Meyerich war zur Stelle und griff tatkräftig ein. Unter Lebensgefahr rettete der Gehilfe Heinrich Twittenhoff nach mehreren Versuchen aus dem Obergeschoss ein kleines Kind aus dem brennenden Haus. Für die Rettung wurde Twittenhoff von Se. Majestät die Rettungsmedallie am Bande verliehen und von der am 31.Januar 1904 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Klotingen ausgezeichnet. Am 15. Juni 1904 um 15 Uhr brannte das Wohnhaus von Johann Korte in Meyerich. Trotz der schnellen Hilfeleistung durch die Meyericher Wehr wurde das Haus zerstört. Die neu gegründete Feuerwehr Klotingen kam hierbei erstmals zum Einsatz.
Erlaß eines Ortsstatut
Mit dem Erlass eines Ortsstatut am 14.Mai 1906 durch die Gemeindevertretung Meyerich, unterzeichnet vom Vorsteher Pier, den Gemeinderäten Twittenhoff, Pieper, Berteld und Nüschen wurde das Feuerlöschwesen auf eine neue rechtliche Grundlage gestellt. Danach übernahm die Leitung des gesamten Feuerlöschwesens der Ortspolizeiverwalter oder sein Stellvertreter. Der Löschdienst wird durch die Brandwehr einschließlich den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr ausgeübt. Dabei bildete die Feuerwehr einen selbstständigen Teil der Brandwehr. Dienstverpflichtet wurden alle Männer vom 18. bis 50. Lebensjahr. Gleichzeitig wurde eine Polizeiordnung zur Hilfeleistung bei auswärtigen Bränden erlassen. Die Gemeinde Meyerich wurde verpflichtet bei Großbränden in Scheidingen, Flerke, Klotingen und Welver Löschhilfe zu leisten.
Streit um das „Feuer“
Die gesetzliche Regelung führte zu Streitigkeiten inner- und außerhalb der Feuerwehren. Der „Kampf“ um das Feuer wurde entfacht. Als am 7.Januar 1906 die Scheune des Gastwirts Nunnemann in Scheidingen brannte, eilte die Feuerwehr Meyerich zur Brandstelle. Wurde aber zunächst an der Löschung gehindert. Beim Versuch das schon in Flammen stehende Wohnhaus zu löschen, stürzte der Steiger Schmiedemeister Heinrich Sundermann vom Boden in die Tiefe und brach sich ein Bein.Noch wurde zum Feueralarm mit Hörnern geblasen, der den schnellen Einsatz verzögerte. Deshalb forderte der Amtmann Smiths die Einrichtung eines Feuermeldedienstes. Viele vergnügte Stunden erlebten die Kameraden mit den Wehren aus Klotingen und Scheidingen bei den Feiern ihrer Winterfeste im Gasthof Brackelmann oder im Saal Wiemer. Dazu spielte das eigene Trommlerkorps und die Stadtkapelle Soest.
Gleichzeitig gehörten Familienausflüge zum festen Bestand der Feuerwehr. So starteten die Mitglieder am 2.September 1906 zu einem vergnüglichen Nachmittag in das Wäldchen am Hachenbruch. Die Damen und Kinder wurden mit Kuchen bewirtet, die Feuerwehrmänner tranken ein zünftiges Bier. Humoristische Vorträge und Konzertstücke des Trommlerkorps ließen die Stunden rasch vergehen. Am 1.Mai 1908 gab es Feueralarm für die Wehren aus Meyerich, Scheidingen und Klotingen. Das Viehhaus des Amtmann Smiths in Meyerich stand in hellen Flammen. Trotz des tatkräftigen Eingreifen brannte es bis auf die Mauern nieder. Der Brand entstand durch Brandstiftung.
Im 10. August 1909 ereignete sich ein großes Brandunglück. Der Gasthof Wiemer „Zum Buchenwald“ brannte nieder, nur der Saal wurde vom Feuer verschont. Mit Hilfe der Feuerwehren Meyerich, Scheidingen und der Brandwehr Welver konnte das Inventar gerettet werden. Doch war bei dem herrschenden Wassermangel an Rettung des Gebäudes nicht zu denken. Der Brand beschäftigte anschließend die Gemeindevertretung Welver. Die Amtsvertretung Werl hatte 14 Mark Transportkosten für die Feuerwehr Scheidingen in Rechnung gestellt, weil sich die Hilfeleistungspflicht nur auf Meyerich und nicht auf Welver bezog.
| 1910 - 1919 |